Trageberatung Hillaraffe im Gespräch mit Katja von Artgerechter Familienbegleitung Rottweil

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Copyright: Katja Hirt

Autor: Anna Matzat

Es ist endlich soweit. Heute startet Sie - die Interviewserie mit Tragemamas, Tragepapas, Trageberaterinnen und wer auch immer Lust hat mir seine Tragegeschichte zu erzählen. Es sind nicht die allgemeinen Geschichten, die ja sowieso schon jeder irgendwo mal gehört hat, sondern es sind die Kleinen, die unser Herz berühren.

 

Genau deshalb freue ich mich umso mehr, dass heute Katja bei der Hillaraffe ist. Sie biete Artgerechte Familienbegleitung in Rottweil an, im Rahmen dessen Sie auch Trage-, Still- und Stoffwindelberatungen anbietet. Zudem stemmt sie noch die Leitung eines Stillcafés.

 

 

Hillaraffe: Hallo Katja! Schön dich heute hier zu haben. Wie bist du eigentlich zum Tragen gekommen?

 

Katja: Unsere erste Tochter war eine Frühgeburt in der 24. Schwangerschaftswoche. Nach zwei sehr intensiven Wochen hat sie den Kampf verloren. Nach dieser Erfahrung wurde mir klar, was es für ein Wunder ist, ein gesundes Kind zu haben. Die darauffolgende Schwangerschaft war sehr aufwühlend, denn ich hatte viel Zeit mich mit verschiedenen Dingen zu beschäftigen. Dabei war es mir aber nicht wichtig, den schönsten Kinderwagen zu kaufen, sondern ich hab mich intensiv damit beschäftigt, was braucht mein Baby wirklich. Die Mama und zwar rund um die Uhr mit ganz viel Körperkontakt, stillen, tragen, Familienbett. Ich kaufte mir dann ein Tragetuch und lernte es mithilfe von Youtube Videos. Zum Glück hatte ich ein sehr geduldiges Baby. Tragen ist für mich im Alltag nicht weg zu denken.

 

 

Hillaraffe: Wow Katja. Dein Weg zum Tragen ist wirklich außergewöhnlich. Wie hat sich dein Leben durch das Tragen verändert?

 

Katja: Ich bin meinem Kind viel näher, ich spüre die Bedürfnisse deutlicher und wir sind ein eingespieltes Team. Ich zeige meinem Kind die Welt auf Augenhöhe, gebe ihm dadurch Sicherheit, alles mit mir zusammen zu erleben. Wir hatten bei beiden Kindern diese abendlichen Schreistunden nur sehr, sehr selten, wenn sie wirklich einen sehr reizüberfluteten Tag hatten. Ansonsten glaub ich, dass man durch diese viele körperliche Nähe schon über den Tag verteilt viel abfangen kann und sich der Alltag so erleichtert.

 

 

Hillaraffe: Apropos Alltag. Dieser ja meistens auch irgendwie gestemmt werden. Wie hilft dir da das Tragen?

 

Katja: Da frage ich mich oft: „ Wie machen das Eltern, die ihre Kinder nicht tragen“. Ich gehöre nicht zu den Mamas, die ihren Haushalt machen, wenn die Kinder schlafen. Ich nutze meist morgens bereits die erste unruhige Phase vom Baby, packe es in die Trage und mache meine Haushaltsrunde, wenn es dabei einschläft, nutze ich die Schlafenszeit dann für mich. Das ist meine Mamaauszeit. Auch Kochen, Backen, Einkaufen, Gartenarbeit erledige ich mit dem Baby in der Trage.

 

 

Hillaraffe: Du hast zwei Vollzeittraglinge gehabt bzw. hast noch einen. Wann hast du gemerkt, dass du keinen Kinderwagen brauchen wirst? Hattest du überhaupt einen?

 

Katja: Wir haben einen Kinderwagen, aber beide Kinder lagen immer nur kurze Zeit darin und fingen dann immer an zu meckern und weinen. Dann wurde der Kinderwagen meist leer geschoben und ich habe das Baby getragen. Ziemlich bald hab ich dann angefangen ihn zu Hause zu lassen und nur noch Tragehilfe oder Tuch mitzunehmen.

 

 

Hillaraffe: Da sagst du gleich etwas Entscheidendes. Trägst du lieber im Tuch oder in der Trage? Und warum?

 

Katja: Ich trage in beidem gerne und ich muss sagen, ich nutze wirklich fast alle Tücher und Tragen die ich habe regelmäßig, ganz nach Lust und Laune von mir und meinem Tragling. Momentan trage ich noch viel vorne, da mag der Bub das Tuch nicht mehr so gerne, deshalb nutze ich die Tragehilfe. Ich nehm ihn aber jetzt auch immer öfters auf den Rücken, grad für die Hausarbeit, da finde ich das Tuch einfach optimal, weil man es richtig schön hoch binden kann und er dann auch gut schauen kann.

 

 

Hillaraffe: Hattest du dir vor deinen Kinder vorstellen können, dass du deine Kinder mal Vollzeit trägst?

 

Katja: Eher weniger, sonst hätte ich mir wahrscheinlich auch keinen Kinderwagen gekauft. Ich dachte: ja zu Hause um die Hände für andere Dinge frei zu haben. Aber draußen liegt das Baby dann im Kinderwagen.

 

 

Hillaraffe: Ja das kenne ich. Was war dein schönster Tragemoment?

 

Katja: Oh, das kann ich so gar nicht sagen. Es gibt so viele. Ich genieße es immer sehr, wenn das Baby beim Tragen einschläft und das Gefühl, dass es keinen besseren Platz in dem Moment gibt.

 

 

Hillaraffe: Ein perfekter Platz für dein Baby. Was findest du sollte man unbedingt über das Tragen wissen?

 

Katja: Es gibt nicht DAS Tuch, DIE Bindeweise oder DIE Tragehilfe. Jedes Tragepaar ist ganz individuell und darum finde ich es so wichtig, eine Trageberatung zu machen um die optimale Lösung für die Trageeltern und den Tragling zu finden. Denn nur, wenn es für beide bequem ist, wird gerne getragen und nur so bekommt das Tragen einen Platz im Alltag.

 

 

Hillaraffe: Manche Eltern sind verunsichert, was das Tragen angeht. Was war das komischste Vorurteil, was du je über das Tragen gehört hast?

 

Katja: Ich werde oft darauf angesprochen, ob ich den keine Probleme mit dem Rücken hätte, wenn ich meine Kinder ständig mit mir rumschleppe. Und ob es für das Baby denn bequem sei. In so einem Kinderwagen sei es doch viel gemütlicher.

 

 

Hillaraffe: Hast du einen Geheimtipp für die Tragemamas & Tragepapas da draußen?

 

Katja: Lasst euch am Anfang von euren Babys nicht verunsichern, wenn ihr anfangt sie einzubinden. Ich höre oft: „ mein Baby will nicht getragen werden, sobald ich es einbinde, weint es und wehrt sich“ Mein Tipp: Zieht euch Schuhe an, bindet das Baby zügig aber ruhig ein und lauft los. Am besten draußen. Die meisten Babys mögen das Eingebunden werden wirklich nicht so gerne, aber das Getragen werden schon und schlummern dann meist ziemlich schnell ein und genießen die Nähe.

 

 

Hillaraffe: Katja, Du bist eine liebevolle Tragemama wie wir gesehen haben, aber auch selber Trageberaterin. Warum hast du dich dafür entschieden?

 

Katja: Weil ich persönlich Tragen so hilfreich und auch so unglaublich schön finde und mir einen Alltag ohne nicht vorstellen kann. Ich kann meinem Baby das geben, was es braucht und hab selbst aber die Hände frei für andere Dinge. Das war mein Ansatz als ich Ende 2013 meine Ausbildung gemacht hab.

 

 

Hillaraffe: Und wie reagierte Dein Umfeld damals, als du entschieden hast Trageberaterin zu werden?

 

Katja: Von Freunden und Bekannten hab ich dann immer gehört: „Oh toll, beim nächsten Kind komm ich dann zu dir.“ Was allerdings die wenigsten dann wirklich gemacht haben. Mein Mann unterstützt alle meine Vorhaben in diesem Bereich, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

 

 

Hillaraffe: Trageberatungen sind ja nicht völlig emotionslos und Erfahrungen für sich. Was war Dein lustigster Moment während einer Trageberatung?

 

Katja: Ich finde die Männer da immer wieder erstaunlich. Die Frauen sind vorsichtig und probieren immer sehr zaghaft. Grad beim Tuch binden. Ich hatte einmal ein Tragepapa, der kam mit seiner Frau, hat sich das Ganze mit dem Baby auf dem Arm angeschaut, wie die Mama da mit dem Tuch und der Tragepuppe geübt hat. Dann stand er auf, hat sich ein Tuch geschnappt und das Baby in die Wickelkreuztrage eingebunden, als hätte er noch nie was anderes gemacht. Ohne vorher zu üben. Da waren seine Frau und ich sehr überrascht.

 

 

Hillaraffe: Als Trageberaterin ist man ja Herstellerneutral, aber als persönliche Tragemama hat man ja meistens doch einen heimlichen Favoriten. Was ist Dein Favoriten, wenn Du einen hast?

 

Katja: Meine Favoriten wechseln tatsächlich immer wieder, je nach Trageweise, Alter und Gewicht des Kindes. Ganz aktuell trage ich am liebsten in der Limas Plus und mit meinem uralten Didymos Tragetuch.

 

 

Hillaraffe: Katja, jetzt habe ich dich so ausgequetscht. Möchtest Du noch was sagen?

 

Katja: Liebe Eltern, tragt eure Kinder, ihr gebt ihnen dadurch so unglaublich viel Sicherheit und es ist toll für eure Bindung.

 

 

Hillaraffe: Katja, vielen lieben Dank, dass du all das mit uns geteilt hast!

 

 

 

Katja trefft ihr in Rottweil an und alles weitere von ihr findet ihr auch unter ihrer Homepage https://beduerfnissorientierte-familienbegleitung-rottweil.com